Die Idee einer deutschen Nation wurde durch die napoleonische Besatzung nach 1806 und die Befreiungskriege (1813–1815) entscheidend befeuert. Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts stand im Mittelpunkt der nationalen Idee die Einführung einer bürgerlich-liberalen Gesellschaftsordnung. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich stärker ein national-patriotisches Projekt, das das „Deutsche” als nationalstaatliche und kulturelle Größe in Unterscheidung zum „Rest der Welt” konstruierte und etablierte.
Das patriotische Bürgertum suchte in der Vergangenheit einen identitätsstiftenden Fixpunkt. Bauwerke entstanden im gotischen Stil, und Autor*innen des 19. Jahrhunderts besangen vermeintlich deutsche Mythen und Geschichten. Diese Motive der „deutschen Idee” prägten auch Straßennamen in der neuen Hauptstadt.
Bebauung der Tempelhofer Vorstadt
Als 1861 die Tempelhofer Vorstadt nach Berlin eingemeindet wurde, entstand das heutige Gebiet im südwestlichen Kreuzberg zwischen Viktoriapark, Hasenheide und Spree. Die Straßenzüge wurden in den 1870er- bis 1890er-Jahren nach dem abgewandelten Hobrechtplan bebaut. An den zahlreichen erhaltenen Gründerzeitbauten zeigt sich bis heute die „Kreuzberger Mischung” aus Mietshäusern mit Gewerberäumen.
Die Straßennamen dieses bürgerlichen Viertels erhielten die Namen von Dichtern, Schriftstellern und Geisteswissenschaftlern als Vorreiter einer deutschen Kulturnation. Da einige von ihnen an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität lehrten, hieß das Gebiet umgangssprachlich auch Professorenviertel. Andere Straßen, die westwärts zum Kreuzbergdenkmal weisen, wurden nach Ernst Moritz Arndt und August Boeckh benannt. Beide wirkten direkt bei der Gestaltung des Denkmals mit.




