Von Schlachten und Generälen

Am 21. Januar 1847 wurde dem Prinzen und späteren Admiral Heinrich Wilhelm Adalbert von Preußen (1811–1873) eine Straße in der damaligen südöstlichen Luisenstadt gewidmet. Durch die Aufteilung und Bebauung des Gebiets zwischen 1841 und 1846 entstanden neue Straßen, die Namen brauchten. 1849 wurde eine Parallelstraße der Adalbertstraße der Mutter des Prinzen, Marianne von Preußen (1785-1846), gewidmet.

Prinz Adalbert schlug eine militärische Laufbahn ein und wurde 1843 Generalinspekteur der Artillerie und 1854 Oberfehlshaber der preußischen Marine. Er gilt als Ideengeber für einen preußischen Flottenplan und Begründer der deutschen Marine und sogenannten Kanonenbootpolitik. In einer Denkschrift erläuterte er seine kolonialen Fantasien im Bezug auf den ostasiatischen Raum. Auf dieser Basis fand ab 1859 die sogenannte Ostasien-Expedition statt.

Ehrung des Prinz-Admirals

1866 wurde dem Prinzen Adalbert von Preußen auch die Admiralstraße und 1882 die Admiralbrücke gewidmet. In den 1980er-Jahren fand im Rahmen der Behutsamen Stadterneuerung in Kreuzberg ein Wettbewerb zu Kunst im öffentlichen Raum statt. Die Bildhauerin Ludmila Seefried-Matejková (*1938) gewann die Ausschreibung mit einem partizipativ erarbeiteten Entwurf für das Denkmal „Doppelter Admiral”. 1987 errichtet, kommentierte es die Geschichte der Admiralstraße nach einer Flächensanierung und dem Abriss der Bebauung in den 1970er Jahren kritisch.
 

Am 8. Januar 1874 wurde die Pücklerstraße nach dem Oberstleutnant und Schriftsteller Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) benannt. Angelegt wurde die Straße im Zuge der zunehmenden Bebauung der damaligen Luisenstadt.

Der Adelige kämpfte während der Befreiungskriege in der sächsischen Armee. Anschließend reiste er durch Europa und Nordafrika. Während seiner Englandreisen entdeckte er seine Leidenschaft für die Gartenkunst, der er auf seinen Ländereien nachging. In Muskau ließ er einen Landschaftsgarten anlegen, der heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Auf diese Parkanlage geht vermutlich die Benennung der Muskauer Straße in von Pücklers Todesjahr 1871 zurück.

Koloniale sexualisierte Gewalt

Bekannt war von Pückler zu seiner Zeit vor allem für seine Reiseberichte aus Algerien, Ägypten, Palästina und anderen Ländern, mit denen er literarische und finanzielle Erfolge erzielte. Die Schriften dienten der Finanzierung seines Parks in Muskau.

Vom europäischen Kolonialismus profitierte er nicht nur durch Inspiration für seine Romane, sondern auch als Täter, da er sein sexuelles Interesse an Minderjährigen aus kolonialisierten Kontexten auslebte. 1837 kaufte er auf einem Versklavungsmarkt in Kairo mehrere Minderjährige, die ihn auf seinen Reisen begleiteten. Bilillee, die von Pückler „Machbuba” genannt wurde – was „Geliebte” oder „Maitresse” bedeutet – starb 1840 nach nur wenigen Wochen auf von Pücklers Schloss.
 

Der aufgrund der nahegelegenen Infanterieschießstände 1813 benannte Pionierweg, ab 1836 Pionierstraße, wurde 1864 dem Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher (1742–1819) zu Ehren umbenannt. 1884 wurde ihm auch der ehemalige Platz am Halleschen Tor gewidmet, der heutige Blücherplatz.

Hintergrund der Umbenennungen war das 50-jährige Jubiläum des Endes der Befreiungskriege. Zu diesem Anlass erließ der König am 31. Oktober 1864 den Beschluss, die Straßen in der Nähe des Kreuzbergdenkmals nach Kriegsorten und Generälen der Kriege gegen Napoleon zu benennen. Der so entstandene Generalszug erstreckt sich über die heutigen Bezirke Kreuzberg, Schöneberg und Charlottenburg.

Was für ein Held

Zuvor bereits ein Kriegsheld, markierte der Sieg von Blüchers Truppen in der Schlacht bei Waterloo 1815 das Ende der Befreiungskriege und den Gipfel seiner militärischen Karriere. Außerdem ist überliefert, dass Freunde und Feinde seine Wahnvorstellungen diskutierten. Unklar ist, ob es sich dabei um Auswirkungen eines starken Alkoholkonsums oder um psychische Probleme handelte.

2025 reichten SPD, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag zur Umbenennung des Blücherplatzes in Eva-Mamlok-Platz ein. Als Begründung gaben sie den militärischen Hintergrund des Platznamens an und argumentierten, dass die Ehrung der jüdischen Kreuzberger Widerstandskämpferin und Verfolgten des NS-Regimes Eva Mamlok (1918–1944) passender sei. Am Blücherplatz fand nach mündlicher Überlieferung ihre erste Aktion statt, bei der sie auf das Dach des Warenhauses Tietz „Nieder mit Hitler!” schrieb. Die Umbenennung wurde im April 2026 beschlossen, die Umsetzung steht noch aus.
 

Die Großbeerenstraße erhielt ihren Namen am 11. Juni 1864, um an die Schlacht im brandenburgischen Großbeeren am 23. August 1813 zu erinnern. Bis zur Umbenennung hatte die Straße aufgrund der richtungsweisenden Lage hin zum Kreuzbergdenkmal Monumentenstraße geheißen. 1901 erhielt eine benachbarte Straße diesen Namen und trägt ihn bis heute.

Nach der Schlacht bei Möckern im April 1813 brachte die Schlacht bei Großbeeren den zweiten Sieg seit der napoleonischen Besatzung 1806. General Friedrich Wilhelm Freiherr von Bülow (1755–1816) führte die Landwehr – eine Preußische Reservearmee – in die Schlacht und erlangte so den Sieg. Er erhielt kurz darauf bei der Schlacht von Dennewitz auch noch den Namenszusatz Graf Bülow von Dennewitz.

Schinkel-Denkmäler

In Großbeeren erinnert noch heute ein 1817 von Schinkel gestaltetes Denkmal an die Schlacht. Es hat große Ähnlichkeiten mit dem 1821 errichteten Kreuzbergdenkmal. Dort sind die Schlachten als Figuren dargestellt, die die Züge historischer Persönlichkeiten tragen. Großbeeren erscheint als Jüngling in einer Uniform der Landwehr. Sein Gesicht ist dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. nachempfunden. Die Schlacht von Dennewitz wird durch eine Figur mit dem Porträt von Bülow verkörpert, der ebenfalls die Uniform eines Landwehrsoldaten trägt.
 

Am 24. August 1936 wurde die Obentrautstraße als solche benannt und ehrt seither Hans Michael Elias von Obentraut (1574–1625), einen Reitergeneral aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), der posthum zur Projektionsfläche eines Deutschtums wurde. Die spanischen Gegner nannten ihn Miguel Alemán (Deutscher Michael). Wegen dieses Beinamens wurde er mit dem Deutschen Michel verbunden – einer allegorischen Nationalfigur, die sich seit dem 17. Jahrhundert vom gutmütigen, schläfrigen Deutschen über den Spießbürger zum kühnen Helden und zur Verkörperung stolzen Deutschtums wandelte. Die Verbindung mit dem historischen Feldherren wertete die Figur heroisch auf. Darstellungen zeigen Obentraut oft mit Kniehose, Wams und Zipfelmütze statt in einer Rüstung.

Im Nationalsozialismus wurde Obentraut als Held wiederbelebt und seine Geschichte vielfach in Zeitungen und Rundfunk publiziert. Der „Deutsche Michel” Obentraut, der das „Vaterland über sein Leben” stellte, diente den Nationalsozialisten als Kriegsheld und Symbolfigur für Tapferkeit und „echtes Deutschtum”. Die Badische Presse setzte ihn am 31. Januar 1936 als großen Reiterführer in eine Traditionslinie mit Gebhard Leberecht von Blücher.

Rüstungsstandort Dragonerareal

Die Obentrautstraße begrenzt nördlich das Dragonerareal, das 1855 für das 1. Garde-Dragoner-Regiment, eine Kavallerietruppe, errichtet wurde. Seit dem 17. Jahrhundert trug die Straße den Namen Mühlenstraße. Von 1862 bis 1936 hieß sie Teltower Straße. Nach der Nutzung durch die Automobilfirma Translag in der Weimarer Republik wurde das Dragonerareal im Nationalsozialismus zum Rüstungsstandort. Unter Einsatz von Zwangsarbeiter*innen produzierten Firmen wie Adler Militärausrüstung für die deutsche Wehrmacht.