Um 1900 erfasste die Industrialisierung das Gebiet um den Bahnknotenpunkt Stralau-Rummelsburg, das heutige Ostkreuz. Das neue Straßennetz wurde mit den Namen berühmter Kulturschaffender und Bühnenkünstler versehen. Es entstand eine Art Kulturzone.
Der zuständige Lichtenberger Magistrat widmete die ersten Straßen dieses Gebiets den Münchner Malern Franz von Lenbach und Gabriel von Max. Es folgten Ehrungen nach Dichtern und Schriftstellern mit der Gryphius-, Holtei- und Seumestraße.
Berlin gegen Charlottenburg
Auf dem angrenzenden Berliner Gebiet zwischen der Stadtbahn und Boxhagen wurden 1912 die Döring-, Helmerding-, Haase-, Matkowsky- und Niemannstraße benannt. Sie ehren renommierte Bühnenkünstler.
Unklar ist der Grund für diese Ehrung im östlichen Arbeiter*innenbezirk. Womöglich hing sie mit der Eröffnung des Deutschen Opernhauses in Charlottenburg im November 1912 zusammen. Dieses wurde von bürgerlichen Kreisen als progressives Gegenmodell zur konservativen, kaiserlichen Hofoper Unter den Linden gegründet. Möglicherweise wollte der Magistrat als Reaktion mit den Straßennamen kaisernahe Schauspieler und Sänger im Stadtraum verewigen.
Erweiterung der Kulturzone
Als die DDR-Verwaltung 1950 mit der „Sonderaktion zur Umbenennung von Straßen mit Namen nazistischer und militaristischen Ursprungs” begann, würdigte sie weitere Kulturschaffende. Im Süd- und Rudolfkiez erhielten acht Straßen die Namen von Künstler*innen, die im Einklang mit dem antifaschistischen Selbstverständnis der DDR standen.
Heute, über 50 Jahre später, wächst die Kulturzone noch immer. Basierend auf der Entscheidung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, mehr Frauen mit Straßennamen zu ehren, erhielten mehrere neue Straßen in Friedrichshain die Namen von Künstlerinnen und Sängerinnen.







