Kulturzone in Friedrichshain

1904 wurde die Gabriel-Max-Straße nach dem Münchener Maler und Spiritisten Gabriel von Max (1840–1915) benannt. Wie es zur Ehrung des Malers kam und ob sein künstlerisches oder wissenschaftliches Werk mit der Straße erinnert wird, kann nicht mehr nachvollzogen werden.

Bekannt war der Maler für seine Historienbilder und Gemälde von entrückten Frauenfiguren. Seine Leidenschaft war jedoch der Darwinismus. Er besaß eine der größten zeitgenössischen Schädelsammlungen – menschliche wie tierische – mit Objekten aus Amerika, Asien, Afrika, Ozeanien und Europa. Zwei Jahre nach von Max' Tod kaufte die Stadt Mannheim die Sammlung an. Heute gehört sie zum Bestand der Reiss-Engelhorn-Museen. 

Der Affenbegeisterte

Gabriel von Max war ein Verfechter der darwinistischen Idee, dass der Mensch evolutionär vom Affen abstammt – ein Thema, das ihn auch als Künstler interessierte. Sein Gemälde „Pithecanthropus Alalus”, das er 1894 im Münchner Glaspalast ausstellte, zeigt eine Affengruppe als Familienbildnis. 

Die Tiere, die ihm für seine Affenporträts als Modelle dienten, hielt er selbst. Im Münchener Klima starben sie allerdings schnell, woraufhin er sie sezierte oder in verschiedenen Positionen fixierte, um sie zu zeichnen. Zwei tote Paviane standen so Modell für das Gemälde „Affen als Kunstrichter” von 1889. Es bildet die Vorlage für ein markantes Wandbild an einem Wohnhaus in der Gabriel-Max-Straße.
 

Am 19. Dezember 1912 wurde eine Querstraße der Revaler Straße nach dem Schauspieler und Theaterdirektor Friedrich Haase (1825–1911) benannt. Womöglich war die Benennung eine Reaktion auf die Eröffnung des Charlottenburger Opernhauses im November 1912. Dafür spricht, dass Haase als Patenkind des Kaisers dem Hoftheater nahestand.

Haase selbst erlebte die Benennung nicht mehr, denn er starb ein Jahr zuvor. In seinem Nachlass befand sich ein diamantbesetzter Ring mit dem Porträt August Wilhelm Ifflands (1759–1814). Dieser wurde Haase von seinem Freund Theodor Döring (1803–1898), dem Namensgeber der benachbarten Döringstraße, vermacht – mit dem Hinweis, dass er ihn nach seinem Tod an den seiner Meinung nach besten Schauspieler weiterzugeben habe.

Das Spiel um den Ring

Haase wollte die Auszeichnung zunächst anschließend Adalbert Matkowsky (1857–1909), Namensgeber der anliegenden Matkowskystraße, weitergeben, doch dieser verstarb. Testamentarisch bestimmte er dann Albert Bassermann (1867–1952) als nächsten Träger.

Auch heute ist der sogenannte Ifflandring noch eine Auszeichnung für Schauspieler. Für Schauspielerinnen wurde 1978 der Alma-Seidler-Ring von der österreichischen Regierung für den deutschsprachigen Raum ins Leben gerufen. Die Schauspielerin Alma Seidler (1899–1977) hätte den Ifflandring von Werner Krauß (1884–1959) erhalten, wäre sie keine Frau gewesen.
 

Am 31. Mai 1951 wurde die Zorndorfer Straße nach Erich Mühsam (1878–1934) umbenannt, einem Schriftsteller und Opfer des NS-Regimes. Bis dahin und seit 1895 erinnerte sie an den ostpreußischen Ort Zorndorf.

Nach 1945 gehörte der Ort zu Polen und hieß fortan Sarbinowo, weshalb die Straße im Rahmen der „Sonderaktion zur Umbenennung von Straßen mit Namen nazistischen und militaristischen Ursprungs” 1950 umbenannt wurde. Während der Umbenennungsfeier befand sich Mühsams Witwe Kreszentia, genannt Zenzl Mühsam (1884–1962), in sowjetischer Kriegsgefangenschaft

Politische Arbeit

Nach dem Aufwachsen in Lübeck zog es Mühsam nach Berlin, wo er als Schriftsteller über Anarchismus, die bürgerliche Gesellschaft und Militarismus schrieb. Er beteiligte sich aktiv an der Novemberrevolution 1919 und arbeitete für die Rote Hilfe. Am Tag des Reichstagsbrands 1933 wurde er mit etlichen anderen Kommunist*innen und Anarchist*innen von den Nationalsozialisten verhaftet. Neben seinem politischen Engagement war er auch Jude und so umso mehr der Verfolgung im Nationalsozialismus ausgesetzt. Nach über einem Jahr Haft wurde er im KZ Oranienburg hingerichtet.

Zenzl Mühsam floh nach der Verhaftung ihres Mannes nach Moskau. Von dort aus wollte sie die Welt vor dem Faschismus warnen, wurde jedoch als Trotzkistin denunziert und selbst inhaftiert. Erst 1955 – vier Jahre nach der Ehrung ihres Mannes – kehrte sie nach Berlin zurück.
 

2010 wurde der Platz am Ostkreuz nach der DDR-Kritikerin und Künstlerin Annemirl Bauer (1939–1989) benannt. Der dreieckige Platz entstand in den 1950er-Jahren, als die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Häuser abgebrochen wurden. In den 1980er-Jahren wurden weitere Gebäude an der Lenbachstraße abgerissen und die Platzanlage erweitert.

Vermutlich erhielt der Platz in diesem Zeitraum den inoffiziellen Namen Lenbachplatz nach der anliegenden Straße, die dem Münchner Maler Franz von Lenbach (1836–1904) gewidmet war. Im Anschluss an die Platzsanierung von 2006 bis 2008 schlug das Bezirksamt vor, die Namensgebung offiziell zu machen. Angehörige der verstorbenen Künstlerin beantragten jedoch die Benennung in Annemirl-Bauer-Platz.

Widerstand in der DDR

Annemirl Bauer schlug wie ihre Mutter, die Malerin Tina Bauer-Pezellen, und ihr Vater, der Bauhaus-Fotograf Siegbert Bauer, eine künstlerische Laufbahn ein. 1965 schloss sie ihr Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee ab. Ihr Atelier lag zunächst in Prenzlauer Berg am Helmholtzplatz, dann bezog sie einen Raum am Bersarinplatz.

In ihren Werken thematisierte sie Weiblichkeit und beleuchtete kritisch die deutsche Teilung und das SED-Regime. Als sie in einem Brief an den Verband Bildender Künstler der DDR die Reisefreiheit für alle DDR-Bürger*innen forderte, wurde sie aus dem Verband ausgeschlossen. Trotz der Repressionen lebte sie bis zu ihrem Tod in Ost-Berlin.